Ein gutes Signal gegen Rechts

Die Ultras der Fortuna sind wieder da. Manch ein Fan - ja auch mancher von Halbangst - findet es nicht so toll. Aber objektiv ist dieses Comeback - um in der Fortuna-Sprache zu bleiben - sinnvoll. Denn sportlich braucht die Mannschaft alle Hilfe im Abstiegskampf - bei dem Düsseldorfer Operettenpublikum droht gerade bei einer Niederlagenserie zum Saisonende stimmungstechnisch Ungemach, wenn keine Ultras da sind. Zum anderen: Es ist nach langer Zeit wieder ein klares Zeichen gegen Rechts aus dem inneren Zirkel eines Bundesliga-Vereins.
Dortmund hadert, Aachen zaudert und Duisburg wusste lange nichts von seinem “Glück”: In NRW häufen sich die Berichte über rechte Gesinnungstaten in den Stadion. In manchen Fällen kann man zweifelsfrei von einer neuen Struktur der Nazi-Rekrutierung sprechen. Während sich die Vereine mit konkreten Maßnahmen schwer tun, reagieren zumindest die Medien. Das traurige war und ist: Kritische Presse führt nicht allzu oft zu einem Solidarisierungseffekt. In Aachen war man beleidigt, dass von den bösen Journalisten neben der drohenden Insolvenz ein weiteres Problemfeld in die Öffentlichkeit gezogen wurde. Bei der Fortuna wurden Berichte von Zusammenhängen zwischen rechter Gewalt und der Schaffenspause der Ultras mit Abscheu und Empörung zurück gewiesen.
Reflexe und Stimmungen sind jedoch selten die Wahrheit
Unterhielt man sich jedoch mit den Kollegen, die über die Szene in Düsseldorf schrieben oder mit kundigen Beobachtern, ergab sich ein anderes Bild. Es hatten sich bei der Fortuna in der Tat ein paar Nazis breitgemacht. Das es hier zwangsläufig zu Problemem kam, wundert nicht. Inzwischen jedoch - und das ist das wohltuende, haben auch die Ultras das erkannt und eine für diese Gruppierungen bisher selten praktizierte Transparenz an den Tag gelegt:
“Fakt ist jedoch, viele der in der Presse beschriebenen Vorfälle sind dennoch so vorgefallen. Dies zu leugnen wäre der falsche Weg und ist nicht zielführend für die weiterführende Aufarbeitung innerhalb der Fanszene. Fakt ist jedoch auch, dass die meisten Vorfälle in keinem Zusammenhang zueinander standen.”
Diese Erklärung hätte früher kommen können - ja müssen. Denn sie beinhaltet eine wichtige Anmerkung: Die Vorfälle folgen keiner Ordnung, sie wurden nicht von einer obersten “Nazi-Heeres-Leitung-Flingern” am Reißbrett geplant. Und das ist wichtig: Die Zufälligkeit zeigt, dass es noch keine Struktur gibt. Und die lässt sich auch weiterhin mit einem Mittel vermeiden.
Aktiv gegen die Nazis
Nämlich mit schlichter Haltung. Denn die ewige Ausrede, dass Politik nichts im Stadion zu suchen habe ist Quatsch. Politik ist nicht immerzu das große Geschacher der Parteien. Nein, Politik ist auch eine Form der Haltung. Und die im Stadion zu haben, ist wichtig. Wo sich Tausende gemeinschaftlich versammeln, prallen auch mal wieder unterschiedliche Meinungen aufeinander. Auch hier gilt es Kompromisse zu machen und natürlich auch gegen diese Gesellschaft zerstörende Tendenzen vorzugehen. Hier waren die Düsseldorfer Ultras stets ein Vorbild - und sie scheinen kapiert zu haben, dass sie dies auch weiterhin sein sollten.
“Bei Spielen von Fortuna Düsseldorf, egal ob heim oder auswärts, werden wir rechte Gesinnung niemals tolerieren und fordern auch alle anderen Fans dazu auf, rechtem Gedankengut jederzeit offensiv entgegen zu treten!
Es ist also gut, dass die Ultras wieder da sind und sich zu ihrer Verantwortung bekennen. Vielleicht folgen die Fanorganisationen anderer Clubs.(cu)